

Die Dynamik des Wortes
Fortwährende Übersetzung als Prinzip christlicher Überlieferung
Die Idee der Übersetzbarkeit, ja die Notwendigkeit der Übersetzung, ist von Anfang an ein Wesensmerkmal christlicher Theologie. Gianluca De Candia liest die Entstehungsgeschichte des Christentums neu, indem er das Christuskerygma als Artikulation einer Bedeutsamkeitserfahrung („Mal-Setzung“), das Neue Testament und die konziliar normierte Sondersprache als extensionalen Übersetzungsprozesse innerhalb einer bestimmten Interpretationsgemeinschaft beschreibt, in denen immer „dasselbe“ und doch je „anders“ gesagt wurde und sich dabei immer „gleicher“ geworden ist. Damit wird auch das Verhältnis zwischen kanonischen und außerkanonischen Traditionen sowie die Frage nach der Hellenisierung des Christentums in ein neues Licht gerückt. Die Kraft des Wortes bewahren, von dem alles ausging, heißt, es zu bewähren und sich der Bedeutungsdichte dieses „anders“ oder „gleichsam“ zu nähern, die im Prozess der Überlieferung ständige Rück- wie Neuübersetzungen verlangt.
Das Buch schlägt ein neues hermeneutisches Paradigma vor, um die theologische Entwicklung des Christentums zu lesen und zeigt, wie die Bestimmungskraft der katholischen Tradition insofern nicht vergangen ist, vielmehr an ihr immer noch etwas geschehen kann.
Das Christentum ist von Beginn an eine Religion des Wortes – und der Übersetzbarkeit. Während im Judentum wie später im Islam die Ursprungssprache der heiligen Schriften als sakral gilt und Übersetzungen häufig als Verlust, mitunter sogar als Sakrileg gelten, setzen Christen sehr früh – zunächst in den Paulusbriefen, dann in den Evangelien – auf Übersetzungen in verschiedene Sprachen. Übersetzbarkeit erscheint hier nicht als Defizit, sondern als konstitutives Identitätsmerkmal. Das Buch folgt einem erweiterten Übersetzungsbegriff, der Übersetzen nicht auf schriftliche, wörtliche Übertragungen beschränkt, sondern als Verstehensprozess versteht, der darauf zielt, denselben Sinn adaptiv zu wahren.
Einen besonderen Akzent setzt das Buch auf die Spannung zwischen kreativen Übersetzungen des Glaubens (bzw. Kerygmas) – im Buch als „epidigmatische“ Übersetzungen gefasst – und normativen (bzw. „paradigmatischen“) Übersetzungen, die mit Prozessen der Kanonisierung einhergehen und in diese einmünden. Analysiert werden die historischen Übersetzungen des christlichen Glaubens, wie sie sich etwa in der Entstehung des neutestamentlichen Kanons, in den dogmatischen Formeln der Konzilien („Hellenisierung des Christentums“) und in der Ausbildung einer kirchlichen Fach‑ und Sondersprache niederschlagen. Die Studie macht deutlich, dass Kanonisierung nicht einfach eine Versteinerung der Tradition bedeutet, sondern einen notwendigen Schritt der Stabilisierung innerhalb eines grundsätzlich dynamischen Übersetzungsprozesses darstellt – allerdings einen Schritt, der immer auch Auswahl, Ausgrenzung und damit verbundene Macht‑ und Deutungskonflikte mit sich bringt.
Vor diesem Hintergrund erweist sich der theoretische Rahmen des Buches als unmittelbar relevant für aktuelle Reformdebatten in der Kirche als kriteriengeleiteter Interpretationsgemeinschaft: Fragen nach Synodalität, nach der Rolle der Frauen, nach Machtstrukturen oder nach der Gestalt des kirchlichen Rechts werden als Auseinandersetzungen um legitime „Neuübersetzungen“ einer gemeinsamen Mitte verständlich – nicht als bloße Brüche mit der Tradition.
Das kirchliche Verständnis und die Weise, in der das Evangelium in jeweils konkreten Zeit‑ und Ortskirchen neu übersetzt wird, sind nämlich prinzipiell unabgeschlossen. Vergangenheit und Gegenwart treten dabei in einen fortlaufenden, wechselseitigen Deutungsprozess ein. Das „Heute“ und „Hier“ besitzt hermeneutisch dasselbe Gewicht wie das „Damals“ und „Dort“; Überlieferung wächst auch durch das beständige Verstehen dessen, was geschieht. Dadurch gewinnt die Tradition an Autorität. Ein Verständnis, das davon ausgeht, bereits alle Fragen seien bereits abschließend beantwortet, verkennt, dass die christliche Tradition selbst als dynamischer Lernprozess des Wortes zu begreifen ist.
Die Monographie versteht Hermeneutik der Tradition als Lernprozess und als „Verständigung über Verstandenes“ und bietet ein begriffliches Instrumentarium, mit dem Reformprozesse theologisch reflektiert werden können, ohne das Fundament des Glaubens preiszugeben. Dabei wird gezeigt, dass der christliche Glaube seine Identität gerade dadurch wahrt, dass er beständig in die jeweiligen Sprachen, Denkformen und Lebenswelten unterschiedlicher Zeiten und Kulturen übersetzt wird. Dabei verbindet die Studie die Wort-Theologie mit semiotischer Pragmatik, Kulturwissenschaft und Übersetzungstheorie und schlägt damit eine neue Sichtweise vor: Tradition erscheint nicht als starre Weitergabe fertiger Formeln, sondern als lebendiger Übersetzungsprozess, in dem „dasselbe“ Glaubensgeheimnis immer wieder anders gesagt wird – und sich gerade darin klärt und vertieft.
Im kulturwissenschaftlichen Horizont zeigt das Buch, wie christliche Überlieferung im Gespräch mit wechselnden Symbolen, Geschichten und gesellschaftlichen Deutungsmustern lernfähig bleibt und so in Debatten über kulturelles Gedächtnis, Identität und Erbe eingebettet ist, unter anderem anschlussfähig an die Gedächtnis‑ und Kulturtheorien von Aleida und Jan Assmann.
Philosophisch knüpft der hier vertretene Ansatz an Jürgen Habermas’ Motiv der „rettenden Übersetzung“ an, mit dem er beschreibt, wie religiöse Gehalte in allgemein zugängliche, säkulare Begründungsformen überführt werden, ohne ihren normativen Anspruch einzubüßen. Das Buch greift dieses Motiv auf und zeigt, wie die fortwährende Übersetzung des Christusbekenntnisses in neue sprachliche und kulturelle Kontexte die öffentliche Vernunft nicht schwächt, sondern ihr kritisches und orientierendes Potential erhält und vertieft. Dadurch leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zur Klärung des christlichen Traditionsverständnisses im Bereich der theologischen Hermeneutik und zugleich zur philosophischen Debatte über religiöse Werte in einer postsäkularen Gesellschaft, indem es einen Dialog mit fachfremden Perspektiven eröffnet.
Die disziplinübergreifende Tragweite des Ansatzes spiegelt sich in seiner öffentlichen Rezeption: An der Katholischen Akademie in Berlin wurde der Band am 14.10.2025 in einem Podiumsgespräch mit Aleida Assmann (Universität Konstanz) und Carsten Dutt (Präsident der Hans‑Georg‑Gadamer‑Gesellschaft, Darmstadt/Heidelberg) diskutiert, wobei insbesondere die Relevanz des Übersetzungskonzepts für Kulturwissenschaft (insbesondere Theorien des kulturellen Gedächtnisses), Literatur‑ und Übersetzungswissenschaft sowie philosophische Hermeneutik hervorgehoben wurde.
Die ökumenische Anschlussfähigkeit und kirchliche Relevanz des Buches zeigt sich unter anderem in der Einladung zum Internationalen Karl‑Barth‑Symposion (Emden, 09.05.2025) sowie in der Einladung des Rudolf‑Bultmann‑Instituts für Hermeneutik (Universität Marburg, Malte Dominik Krüger), wo ich die Grundgedanken der Studie am 13.05.2026 im Rahmen einer institutsöffentlichen Veranstaltung vorstellen werde.
IDie internationale Bedeutung des Buches zeigt sich darin, dass Übersetzungen ins Italienische (La dinamica della parola. Traduzione continua come principio della tradizione cristiana, Queriniana, Brescia) und ins Spanische (La dinámica de la palabra. La traducción continua como principio de la tradición cristiana, SalTerrae, Madrid) vertraglich vereinbart sind und in den kommenden Monaten erscheinen werden; sie belegen, dass das Thema in unterschiedlichen Sprach‑ und Kulturräumen aufgegriffen wird. Mit den Verlagen Herder, Queriniana und SalTerrae ist das Buch zudem bei Häusern verankert, die im internationalen katholisch‑theologischen Diskurs hohe Sichtbarkeit genießen und eine weite Verbreitung gewährleisten.
Das zentrale Konzept der „fortwährenden Übersetzung“ bildet damit eine Brücke für internationale Diskussionen über Interkulturalität, religiöse Pluralität und Traditionsbildung, weil es verständlich macht, wie christliche Tradition in unterschiedlichen kulturellen Kontexten je neu Gestalt gewinnt.










Der Sprung in den Glauben
Von der existenziellen Relevanz des Christentums
Nichts steht uns näher als unsere Existenz. Doch gibt es Fremdheitserfahrungen, in denen wir einen Sprung machen müssen, um uns selbst nahezukommen. Ähnliches gilt für den christlichen Glauben, in dem Ahnung und Wissen, Vertrautheit und Sprung ins Fremde, Gottes- und Selbsterkenntnis einander finden. Ausgehend von lebensweltlichen Vorgängen und Erfahrungen wie Geburt, Fragilität und Erpressbarkeit des Menschen und Phänomenen wie Spiel, Charme, Humor, Liebe und der leiblichen Konkretheit entwickelt De Candia einen umfassenden theologischen Verständnishorizont, um Urthemen des Glaubens (Gottesbejahung, Erbsünde, Christologie, Gnade, Trinität, Auferstehung) als existenzrelevant zu erweisen. Die Lektüre ist eine Art Entdeckungsreise in die Landschaft des christlichen Lebens, die erfreuen soll und einen stimmigen Zugang zu diesem erschließen möchte. Gerade eine solch bescheidene Hermeneutik im Modus des „positiven Vielleicht“ soll die „Optionswürdigkeit“ des Christentums für heute plausibel erscheinen lassen.
Der Titel wurde vom Sankt Michaelsbund und dem Borromäusverein asugezeichnet als "Das Religiöse Buch des Monats Juli 2023"
Dass „der Glaube in der Welt von heute“ viele soziokulturelle und weltbildrelevante Stützen eingebüßt hat und sich angesichts von Religionskritik und existenziellem Zweifel ganz neu bewähren muss, hat schon Joseph Ratzinger vor über 50 Jahren im ersten Kapitel seiner „Einführung in das Christentum“ festgestellt – und im Anschluss daran eine bis heute faszinierende Auslegung des Glaubensbekenntnisses entfaltet.
Das neue Buch des in Rom in Fundamentaltheologie promovierten, in Münster in Philosophie habilitierten und derzeit an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie lehrenden Gianluca De Candia legt einen Vergleich mit Ratzingers Klassiker in mancher Hinsicht nahe – nicht nur wegen derselben Vorliebe für Metaphern wie den „Sprung“, der gleich in der Einleitung (7-21) in seiner existentiellen Tiefe ausgelotet wird, oder für Blaise Pascal, den Gottsucher mit „Herz“ und „Verstand“ (54-68), nicht nur wegen der fließenden Übergänge von philosophischen und theologischen Betrachtungen, die immer wieder zu unerwarteten Wendungen führen, sondern vor allem wegen der Sprache. De Candia, der seine Prägung durch Elmar Salmann, den Sprachmagier von San Anselmo, nicht verbirgt (vgl. 19, 124), schreibt voller Musikalität, umkreist einen Gedanken, indem er mehrere Varianten anbietet, spielt dem Leser immer wieder ein Wort zu, ehe er es näher definiert, und eröffnet so einen echten Dialog über das Mitgeteilte. Diese hohe Sensibilität für das Wort ist keine Frage des subjektiven Geschmacks, sondern ein reflektiertes Programm, wie der Autor ganz am Ende verrät: mithilfe „des dichterischen Wortes“, der poetischen Brechung glanzlos gewordener theologischer Fachbegriffe, soll „die verlorene Tiefe (der) Sprache wiederge(ge)ben“ werden (143).
Inhaltlich greift das Buch in lockerer Folge zentrale Themen des Menschseins auf und deutet sie im Licht des christlichen Glaubens: Geburt als Sich-gegeben-Sein, Anfangen-Können und Urvertrauen (23-32), Sünde als Selbstverfehlung, die alle mitmenschlichen Beziehungen belastet (33-45), Spiel, Freiheit und die Denk- und Hoffnungswürdigkeit des Gottes Jesu Christi (47-70), Gnade als Ausdruck des Lebensstils Jesu (71-79), Humor, Lachen und Ironie (80-103), Einheit und Verschiedenheit, Liebe und Wahrheit (105-125), Leiblichkeit und Auferstehung (127-134). Dieser Reigen wird abgeschlossen durch einen Ausblick unter der Überschrift „Engelsam“ (ein Bildtitel des Malers Paul Klee), der Engel als Boten der Transzendenz in einer scheinbar transzendenzlosen Moderne beschreibt, als stille Platzhalter des Unaussprechlichen und dennoch Ahnbaren, die eine wesentliche Dimension des Humanen bewahren, ohne die der Mensch aufhören würde, er selbst zu sein (135-143).
Der große Gedankenreichtum des kleinen Buches ist freilich nicht erkauft mit einem Verzicht an Tiefe und Klarheit. Im Grunde ziehen sich zwei Themenstränge wie rote Fäden durch das Werk, die dann auch noch erstaunlicherweise zusammenhängen: die Trinität als Urbild der Wirklichkeit, der Schöpfung insgesamt (52, 124 Anm.4), besonders aber des Menschen als geschaffenem Ebenbild (112), damit auch die Liebe als Inhalt und Medium der Selbstmitteilung Gottes (113-118) – und die gerade angesichts dieses selbstlos liebenden Gottes noch abgründigere Selbstverschließung des Menschen in der Sünde (39-45, 50, 56, 82). De Candia stellt unumwunden fest: „Heute (haben) viele ein Schuld-, aber nur wenige ein Sündenbewusstsein“ (43). Deswegen wird auch das Wesen der Sünde nicht mehr gesehen, bagatellisiert oder psychologisiert. Dabei wäre es durchaus möglich, „aus der Trinitätstheologie“ eine „Sündenphänomenologie“ abzuleiten (124 Anm.4), die nicht bei einer Ge- und Verbotsmoral stehenbliebe, sondern die Wurzeln der sündhaften Abkehr des Menschen von seinem Schöpfer aufdecken könnte: die Überheblichkeit, die Langeweile, die Hysterie (eine typische Un-Tugend des virtuellen Zeitalters), die Idolatrie und die Lüge (118-125).
Dieser ungewohnte Zugang zum Thema Sünde über die Trinitätslehre ist nur eine von vielen Pointen, mit denen De Candia seine Leser überrascht; ähnliches ließe sich von seinen Ausführungen über den Charme Jesu sagen, die „souveräne Unbefangenheit“ (78), mit der Jesus sich Welt und Menschen näherte, oder über das heitere, liebevolle Lachen Gottes (100-103). Dem Autor gelingt es ähnlich wie Ratzinger in seiner „Einführung“, „Strukturen des Christlichen“ freizulegen, grundlegende Zusammenhänge zwischen Gott, Welt und Mensch so gewinnend darzustellen, dass es dem Leser vorkommt, als verstünde er sie zum ersten Mal.
Natürlich könnte man an manchen Stellen noch mehr differenzieren – etwa, wenn die Sünde des Menschen und die Menschwerdung Gottes so eng aufeinander bezogen werden, als wäre diese von jener abhängig (110) oder wenn „vielen Kirchenvätern“ eine pessimistische Anthropologie und Leibfeindlichkeit vorgeworfen wird (129). Aber auch da, wo man nicht zustimmt oder kritisch nachfragt, bleibt das Buch eine wertvolle Inspiration.
Letztlich geht es De Candia „um eine Mystagogie der Annäherung“ (14), um ein Aufschließen der Wirklichkeit mit dem Schlüssel des Glaubens, um den Aufweis der „Korrelation“ von Christentum und menschlicher Existenz: „Der christliche Gott entbindet die Möglichkeiten menschlichen Fühlens, Gestaltens und Denkens, sodass diese im Nachhinein Spiegelungen verborgener Transzendenz offenlegen mögen“ (11). Diese „Entbindung“ und Befreiung ist eben jener „Sprung“ über sich hinaus, zu dem der christliche Glaube den Menschen auch heute einlädt. Dass er sich lohnt, hat uns De Candia fulminant bewiesen.
Manuel Schlögl, in: Klerusblatt 10 / 2023, 238f.
Wahrheit und Interpretation
von Luigi Pareyson
Übersetzt und mit einem Geleitwort und bibliographischen Hinweisen herausgegeben von Gianluca De Candia.
Luigi Pareyson gehört zu den Begründern der modernen philosophischen Hermeneutik. Diese Ausgabe eröffnet erstmals in deutscher Übersetzung den Zugang zu seinem 1971 erschienenen Hauptwerk zur Philosophie der Interpretation, an dem er seit den 1940er Jahren intensiv arbeitete. Seine Kritik an allen wichtigen Strömungen des 20. Jahrhunderts (Existenzialismus, Marxismus, Psychoanalyse, Neopositivismus, Pragmatismus, Ideologie- wie Entmythologisierung, Traditionalismus) erweist sich immer noch als höchst aktuell. Alternativ zum heute dominierenden historistischen, pragmatistischen oder technikfixierten Denken besteht für ihn die Aufgabe der Philosophie darin, das Denken in seiner ursprünglich ontologischen Dimension zu fundieren und somit den Wahrheitsbegriff wieder ins Zentrum zu stellen. Dabei geht es nicht primär um ein analytisches Verständnis der Wahrheit, das diese lediglich auf der Ebene des Propositionalen gelten lässt, sondern um die Wahrheit als unerschöpfliche Offenbarkeit des Seins, die die Freiheit des Interpreten fördert und einfordert.
Diese Spannung zwischen Wahrheit und Interpretation motiviert Pareysons Plädoyer für eine pluralistische, aber nicht relativistische Konzeption der Wahrheit, die im geschichtlichen Ereignischarakter des Seins begründet ist und aufgrund seiner Einzigartigkeit und unendlichen Fruchtbarkeit sich nur in einer Vielzahl von Zugängen und Perspektiven erschließt.
Vom Staunen der Vernunft
von Luigi Pareyson
Partiell übersetzt und mit einem Geleitwort und bibliographischen Hinweisen herausgegeben von Gianluca De Candia
Luigi Pareyson ist bislang im deutschsprachigen Raum wenig bekannt, obwohl seine Werke in viele Sprachen übersetzt wurden, da er zweifellos neben H.-G. Gadamer und P. Ricoeur zu den Begründern der modernen philosophischen Hermeneutik gehört. Aufgrund seiner intellektuellen Vielfältigkeit hat er viele seiner Schüler, zu denen Umberto Eco und Gianni Vattimo gehören, inspiriert und ihnen ein breites Spektrum eröffnet, das von idealistischen Ansätzen über die Hermeneutik bis zur ästhetischen Theorie reicht. Der Band liefert eine vielfältige, zugleich aber in sich kohärente Skizze wichtiger Motive seiner Philosophie: die Hauptzüge seiner Fichte- und Schelling-Interpretation, die Grundlagen seiner ,,Ontologie der Freiheit“, seine philosophische Hermeneutik der religiösen Erfahrung, die Grundlinien seiner Ästhetik und schließlich Überlegungen, die die soziale Funktion betreffen, die der Philosophie zukäme. Wie ein roter Faden zieht sich durch alle diese Beiträge eine intellektuelle Haltung des Staunens. Es ist die Haltung eines Nicht-völlständig-Begreifens angesichts des menschlichen Daseins und seiner Freiheit, des Bösen in der Geschichte, des Phänomens der überschwänglichen Schönheit, der Deutungskraft des Mythos, der unvermeidbaren Andersheit des Anderen und des Ichs selbst. Und es ist genau dieses Staunen, das die Menschen – seit den Anfängen bis heute – zum Philosophieren veranlasst. »Mit diesem Werk hat Gianluca De Candia seiner wertvollen Vermittlungsarbeit zwischen der italienischen und deutschen Philosophie einen weiteren Baustein hinzufügt.« (Gianni Vattimo)
Die Monographie Vom Staunen der Vernunft steht exemplarisch für meine Arbeit an der deutschen Rezeption der Philosophie Luigi Pareysons (1918-1991), einer der bedeutendsten italienischen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Sie wurde im Rahmen meiner von der DFG geförderten „Eigenen Stelle“ mit dem Titel „Philosophische Hermeneutik der religiösen Erfahrung in Luigi Pareyson und seiner Schule“ erarbeitet (3.2018-07.2020). Während die Schüler Pareysons – etwa Umberto Eco (1932-2016) und Gianni Vattimo (1936-2023) – in Deutschland breite Resonanz gefunden haben, blieb der Lehrer selbst bislang weithin ungehört; insbesondere fehlten bis vor kurzem jegliche deutschen Übersetzungen seiner Schlüsselwerke, obwohl diese bereits in mehrere anderen Sprachen übertragen worden waren.
Mit diesem Beitrag und den dazugehörigen Übersetzungsprojekten sollte diese lückenhafte, asymmetrische Rezeption der Turiner-Schule überwunden werden. In der ersten Projektphase habe ich den Band Luigi Pareyson, Vom Staunen der Vernunft partiell übersetzt und herausgegeben, der durch das Vorwort von Gianni Vattimo und Giuseppe Riconda sowie meine ausführliche Einleitung „Luigi Pareysons Leben und Werk im Umriss“ (13–50) den thematischen Kern meines Programms bildet. Diese Einleitung zeichnet die drei Phasen von Pareysons Denkweg nach, rekonstruiert die Rezeption seiner Hermeneutik der religiösen Erfahrung bei prominenten Schülern wie Gianni Vattimo, Umberto Eco, Ugo Perone, Claudio Ciancio und Sergio Givone und eröffnet damit einen neuen Zugang zu seinem Gesamtwerk – gestützt auf Schlüsseltexte.
Parallel dazu habe ich die erste deutsche Übersetzung seines Hauptwerks „Verità e interpretazione“ vorgelegt (Wahrheit und Interpretation, übers. und hrsg. von Gianluca De Candia, mit einer Einführung von Claudio Ciancio und Ugo Perone, Philosophische Bibliothek Bd. 761, Verlag Felix Meiner, Hamburg 2023). Dieses Buch dokumentiert den hermeneutischen Ansatz des „mittleren“ Pareyson, aufgrund dessen er im deutschsprachigen Raum immer wieder neben Paul Ricœur (1913-2005) und Hans‑Georg Gadamer (1900-2002) zitiert wurde. Die Übersetzung schließt eine doppelte Rezeptionslücke: Sie ermöglicht es einer auf systematische Fragen ausgerichteten Leserschaft, Pareysons ontologische Hermeneutik mit derjenigen Gadamers und Ricœurs zu vergleichen, und legt zugleich die Inspirationsquelle für bekannte postmoderne Ansätze seiner Schüler – etwa bei Gianni Vattimo und Umberto Eco – offen.
Auf dieser Grundlage konnte – nach meiner Berufung auf eine W3‑Professur – in einer weiteren Projektphase des DFG‑Vorhabens, in der die Personalmittel in Sachmittel umgewandelt wurden, eine umfangreiche Trilogie weiterer Schlüsselwerke Pareysons in deutscher Sprache entstehen, herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Giovanni‑Battista Demarta, jeweils mit einem Geleitwort von mir und Beiträgen von Umberto Eco, Francesco Tomatis und Gianni Vattimo. Damit wurde ein großer Teil des bisher im deutschsprachigen Raum unerreichbaren Œuvres Pareysons zugänglich gemacht.
Rezeptionsgeschichtlich bedeutet dies einen deutlichen Gewinn: Die italienische Gegenwartsphilosophie, die – wie Ugo Perone bemerkt – hier lange eine „terra incognita“ war, wird nun durch mehrere Erstübersetzungen und Studien neu sichtbar, was bereits zu vermehrten Promotions‑ und Forschungsprojekten im deutschsprachigen Raum führt.
Hermeneutisch ermöglicht die systematische Erschließung der drei Phasen von Pareysons Denken (existential, ästhetisch‑hermeneutisch, ontologisch) ein vertieftes Verständnis seiner philosophisch‑religiösen Hermeneutik sowie des von ihm geprägten Konzepts einer „Ontologie des Unerschöpflichen“, das von Vattimo und Eco in einem „schwachen Sinn“ rezipiert worden ist.
Kritisch‑theoretisch trägt das Projekt dazu bei, die Frage nach dem „Ende der Metaphysik“ bzw. der Philosophie im Ausgang von einer ontologisch fundierten Hermeneutik neu zu bedenken, jenseits der von Jürgen Habermas benannten Alternative zwischen „Urbanisierung“ und „Radikalisierung“ der Heideggerschen Provinz.
Kritisch‑theologisch eröffnet Pareysons Ansatz neue Möglichkeiten, das Verhältnis von Wahrheit, Freiheit und Interpretation jenseits einer Hypostasierung der Tradition zu überdenken und damit auch aktuelle kirchenpolitische Debatten differenzierter zu führen.
Die bisherigen Rezensionen [1] und die mediale Resonanz in Deutschland und Italien (u.a. Die Welt, Kölner Stadt‑Anzeiger, Frankfurter Rundschau, RAI Cultura, „Il posto delle parole“) zeigen, dass das Projekt sowohl wissenschaftlich als auch öffentlich ein deutliches Echo gefunden hat. Akademisch hat dies zu Einladungen in Fachkolloquien, Tagungen, zur Mitgliedschaft in der Hans‑Georg‑Gadamer‑Gesellschaft und zu Gastprofessuren, etwa an der Universität Ostpiemont (Vercelli) und im Umfeld des „Centro di studi filosofico‑religiosi Luigi Pareyson“ (Turin), geführt. Die Verleihung des italienischen Staatspreises für Philosophie („Premio Nazionale di Filosofia – Le figure del pensiero“) im Jahr 2023 unterstreicht darüber hinaus die nachhaltige Wirkung dieser Arbeit im Schnittfeld von Philosophie und Theologie
Mit diesem Projekt habe ich eine zentrale Figur der italienischen Gegenwartsphilosophie erstmals systematisch für den deutschsprachigen Raum erschlossen und damit eine seit Langem beklagte Rezeptionslücke geschlossen. Durch diese Editionsarbeit sind Pareysons Schlüsseltexte nun in einem internationalen, mehrsprachigen Netzwerk verfügbar und haben bereits Tagungen, Rezensionen und neue Forschungsprojekte in verschiedenen Ländern angestoßen. Darüber hinaus begleite ich gemeinsam mit einem in Freiburg promovierten chinesischen Philosophen die Übersetzung von „Wahrheit und Interpretation“ ins Chinesische. Dieses Projekt erweitert die Pareyson‑Rezeption erstmals in den chinesischsprachigen Raum und zeigt, dass meine Arbeit nicht nur zwischen italienischer und deutschsprachiger Philosophie vermittelt, sondern auch den Dialog mit außereuropäischen Kontexten aktiv fördert.
[1] Luigi Pareyson, Die Existenzphilosophie und Karl Jaspers, übers., hrsg. und eingeleitet von G.-B. Demarta, mit einem Geleitwort von G. De Candia, Mimesis Verlag, Mailand-Udine 2023. 368 S; Pareyson, Ästhetik. Theorie der Formativität, übers., hrsg. und eingeleitet von G.-B. Demarta, mit einem Geleitwort von G. De Candia, Mimesis Verlag, Mailand-Udine 2024. 554 S; Pareyson,Ontologie der Freiheit, übers., hrsg. und eingeleitet von G.-B. Demarta, mit einem Geleitwort von G. De Candia, Mimesis Verlag, Mailand-Udine 2025. ca. 600 S.
[2] Vgl. Kurt Appel / Mattia Coser, in: Zeitschrift für Theologie und Philosophie 146, Nr. 3, (2024), 446-448; Jasmin Mausolf, in: Netzwerk Hermeneutik Interpretationstheorie (NHI), Newsletter Nr. 12, Dezember 2023, 10-13; Jan Kuhlbrodt, in: Signaturen. Forum für autonome Poesie, online; Giuseppe Riconda, in: Filosofia e Teologia 1/2022, 158; Luca Viglialoro, Kunst und Produktionsästhetik: Zu Pareysons „Theorie der Formativität“, in: Mythos-Magazin, Feb 2025, online.
Der Anfang als Freiheit
Massimo Cacciari ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Philosophen Italiens. Dieses Buch ist die erste umfassende deutschsprachige Monographie zu seinem Denkweg. In Auseinandersetzung mit dem spekulativen Denken von Augustinus bis Schelling und dem christlichen Trinitäts- und Schöpfungsgedanken entwickelt er die kühne Idee eines Anfangs vor allem Anfangen – um der absoluten und gelösten Freiheit Gottes und der Menschen willen. Von da her kommt er zu überraschenden Einsichten in die theologisch-metaphysischen und politischen Gesetze der europäischen Kulturgeschichte, die einen kritischen Doppelblick auf das Woher und Wozu von Sein und Denken sowie eine theologische Relektüre klassischer Themen ermöglichen und erfordern.
Das Werk ist die erste umfassende Monographie im deutschsprachigen Raum zum Denken Massimo Cacciaris (*1944), der nicht nur einer der bedeutendsten zeitgenössischen italienischen Philosophen, sondern zugleich ehemaliger Bürgermeister von Venedig, europäischer Politiker und bekennender Agnostiker ist, der sich mit großer Sachkenntnis in theologische Debatten einbringt. Das Buch rekonstruiert Cacciaris intellektuellen Weg von seinen frühen marxistischen und politischen Schriften über seine Auseinandersetzung mit der klassischen deutschen Philosophie bis hin zu seinen späten, dezidiert „theologischen“ Texten und zeigt, wie sich darin ein einheitliches Verständnis von Freiheit, Negativität und Anfangsdenken entfaltet.
Die Monographie arbeitet systematisch heraus, wie Cacciari als agnostischer Denker zentrale Themen der christlichen Theologie – Inkarnation, Trinität, Apokalyptik, Gnade – philosophisch „durchbuchstabiert“, ohne sich selbst dem Glauben zuzurechnen. Gerade diese Außenperspektive erlaubt es, blinde Flecken und Einseitigkeiten innerkirchlicher Debatten sichtbar zu machen: Cacciari konfrontiert die Theologie mit ihren eigenen Quellen und zeigt, wo sie sich im Laufe der Geschichte verengt hat – etwa im Blick auf Onto-Theologie, Macht und das Verhältnis von Religion und Politik. Die Studie ordnet diese Zugriffe sorgfältig in die Geschichte der theologischen und philosophischen Tradition ein und macht so verständlich, warum Cacciaris Interventionen für Theologie und Religionsphilosophie ernst genommen werden müssen.
Besonders hervorgehoben wird in der Arbeit Cacciaris Beitrag zu einer „Geophilosophie Europas“: Europa erscheint bei ihm nicht als fertige Einheit, sondern als offener, konflikthafter Raum, ein „Archipel“ von Inseln, in dem unterschiedliche religiöse, kulturelle und politische Traditionen aufeinanderstoßen und neu verhandelt werden. Seine Überlegungen zu Stadt (Venedig), Grenze, Hafen, Meer, imperialen und postimperialen Räumen, Peripherien und Inseln werden als Schlüsselbilder gelesen, mit denen er die geistige Gestalt Europas im Spannungsfeld von Christentum, Säkularität und politischer Macht beschreibt. Dadurch tritt die enge Verschränkung von politischer Erfahrung – etwa als Bürgermeister Venedigs – und philosophischer Analyse zutage, ebenso wie die Prägung seiner Diagnose der europäischen Gegenwart durch theologische Motive, biblische Bilder und dogmengeschichtliche Debatten. Die Monographie zeigt, dass Cacciaris Denken damit einen eigenständigen Beitrag zur Selbstverständigung Europas leistet, der sich nicht in klassischer politischer Theorie aufgehen lässt, sondern eine Brücke zwischen klassischer deutscher Philosophie (von Hegel und Schelling bis Nietzsche), lateinisch‑katholischer Tradition und aktuellen Debatten über Identität, Säkularisierung, (Krise der) Demokratie und Migration schlägt. So legt das Buch einen Grundstein für eine theologisch sensible Lektüre der gegenwärtigen Krisen Europas – jenseits vereinfachender Schemata eines „christlichen Abendlands“ versus „säkularer Moderne“.
Mit dieser Studie habe ich den ersten Stein für eine breitere deutsche Rezeption der italienischen Gegenwartsphilosophie im theologischen und philosophischen Gespräch gelegt. Die Monographie erschließt Cacciaris schwer zugängliche Texte, bietet eine klare Gliederung seines Gesamtwerks und verknüpft seine Begriffe mit bekannten Diskursen der deutschsprachigen Philosophie und Theologie.
Cacciari ist selbst eine europäisch profilierte Figur – Philosoph, Politiker, Bürgermeister Venedigs – und seine Texte werden in mehreren Sprachen diskutiert; die Studie macht diese Debatten für den deutschsprachigen Raum zugänglich und schafft damit eine Grundlage für weitere internationale Forschung zur italienischen Philosophie und zur europäischen Selbstverständigung.
In der Rezension wird hervorgehoben, dass das Buch Cacciaris Denken im Kontext klassischer deutscher Philosophie (Schelling‑Studien) verortet und damit an bereits bestehende internationale Diskussionszusammenhänge anschließt. Die Stärke des Buches liege gerade darin, dass es Cacciaris komplexe Denkbewegungen nicht nur kommentiert, sondern in eine systematische Argumentation integriert: Cacciaris Philosophie erscheint als eine eigenständige Form von Religionskritik, die zugleich eine neue Form des „Hörens“ auf religiöse Traditionen ermöglicht.
Rezensionen
Ugo Perone, in: Schelling-Studien. Internationale Zeitschrift zur klassischen deutschen Philosophie, Band 8, Verlag Karl Alber, Freiburg/München 2020, 267-271.
Stephan Lüttich, in: PhTh 95 (2020), 449f.
Der Glaube im Denken
Eine Philosophiegeschichte
Glaube und Religion in der Philosophie von den Anfängen bis zur Gegenwart
In der Philosophie haben Glaube und Religion schon immer eine zentrale Position eingenommen. Wie entscheidend aber Religion für die großen Denker der Philosophiegeschichte war und ist und wie wichtig umgekehrt die verschiedenen Denkansätze für die Religionen waren und sind, gerät heute immer mehr in Vergessenheit. Im vorliegenden Buch werden große Philosophinnen und Philosophen im Horizont ihres Religionsdenkens vorgestellt und auf ihre Aktualität hin befragt. Eingeführt werden sie dabei von einschlägigen Expertinnen und Experten aus Philosophie und Theologie. Die Herausgeber legen die überarbeitete und erweiterte Fassung eines bereits etablierten Studienbuchs für ein breites Publikum vor und liefern damit ein religionsphilosophisches Handbuch, das in der Verschiedenheit philosophischen Verstehens der Religion die Möglichkeiten eines positiven Zueinanders von Glaube und Vernunft neu entdeckt.
Mit einem Beitrag von Gianluca De Candia:
Das „schwache Denken“ als Ontologie dessen, was geschieht (zu Gianni Vattimo und Giorgio Agamben). In: Der Glaube im Denken, hrsg. von M. Breul und A. Langenfeld, Herder Verlag 2023, 411-419.
Einheit und Vielheit metaphysischen Denkens
Festschrift für Thomas Leinkauf
Einheit und Vielheit sind nicht nur zentrale Themen metaphysischen Denkens, sondern kommen auch in dessen geschichtlicher Realisierung zum Ausdruck. So verwirklicht sich die Metaphysik auch historisch in einer Spannung von Einheit und Vielheit. Besonders gut erkennen lässt sich diese Dynamik an der Entfaltung des antiken Platonismus und an der mittelalterlichen Rezeption antiker Vorlagen. Und auch mit dem Übergang zum neuzeitlichen Denken setzt sie sich, wie es die Philosophien von Leibniz und dem Idealismus exemplarisch anzeigen, in aller Komplexität fort. Mit dem Übergang in die Moderne und Postmoderne wird schließlich die Problematik eines Zugriffs auf metaphysische Grundfragen unter postmetaphysischen Bedingungen virulent. Die Beiträge dieses Bandes (von Niko Strobach, Franco Ferrari, Filip Karfik, Peter Nickl, Laura E. Herrera Castillo, Nikolaus Egel, Wilhelm Schmidt-Biggemann, Lucia Oliveri, Gianluca De Candia, Stefan Lorenz, Arnaud Pelletier, Walter Mesch, Michael Städtler und Christian Thein) gehen den damit verbundenen Fragestellungen und Problemen nach, indem sie auf Autoren, Schriften und Konzeptionen rekurrieren, die auch die Achse des Werkes von Thomas Leinkauf bilden.
Mit einem Beitrag von Gianluca De Candia:
,,Le pays des realités possibles“: Possibile logicum bei Duns Scotus und G.W. Leibniz. In: Einheit und Vielheit metaphysischen Denkens, hrg. von Michael Städtler, Christian Thein, Walter Mesch, Felix Meiner Verlag, Hamburg 2022, 162-180.
Die Existenzphilosophie und Karl Jaspers.
von Luigi Pareyson
Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Giovanni-Battista Demarta. Mit einem Geleitwort von Gianluca De Candia.
Wenn sie nicht nur mit den verschwommenen Linsen gelesen werden, die angesichts des neuesten Standes der Forschung nur eine veraltete und anachronistisch übersetzte Monographie über Jaspers sehen lassen, dann verströmen die philosophischen Anfänge eines der wichtigsten italienischen Denker aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts all ihre unbequeme Aktualität. Die Auseinandersetzung mit dem Philosophen aus Oldenburg hängt am seidenen Faden einer – im Denken Pareysons nie verleugneten – Verteidigung der Gründe der existentialistischen Bewegung, in deren Namen sie mit einem Abschied vom zentralen Gesprächpartner schließt. Ihr Nachtrag aus der ersten Nachkriegszeit schärft das heute seltene Gespür für eine damals anbrechende philosophische Restauration, die am Beispiel Jaspers’ die letzten großen und rätselhaften Denkerfahrungen in Europa nach Hegel in eine ungestörte philosophische Tätigkeit ›ergänzt‹ hat, so dass der Leitfaden einer allgemeinen und unbewältigten ›Rehegelianisierung‹ den Anlass zu einer noch ungeschriebenen Gegengeschichte der deutschen Philosophie nach dem Zweiten Weltkrieg bietet.
Ästhetik.
Theorie der Formativität
von Luigi Pareyson
Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Giovanni-Battista Demarta. Mit einem Geleitwort von Gianluca De Candia und einem Begleitaufsatz von Umberto Eco
Die Verspätung, mit der dieser Klassiker aus dem zeitgenössischen italienischen Denken im Bereich der Ästhetik nun zum deutschsprachigen Publikum kommt, wird nicht erst durch die rückblickende Vorstellung der idealistischen Stagnation aufgeholt, in die aus einer Randlage der modernen Philosophie der schwere Stein dieser Theorie der Formativität geworfen wurde, die im Gefolge des homo formans die geschlossene Sphäre des Künstlerischen sprengte.
Ontologie der Freiheit.
Das Böse und das Leid
von Luigi Pareyson
Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Giovanni-Battista Demarta. Mit einem Geleitwort von Gianluca De Candia und einem Begleitaufsatz von Francesco Tomatis
Wie ein zeitverzögerter Nachhall aus der ehemaligen Peripherie eines philosophischen Reiches derzeit im weltgeschichtlichen Rückzug, das sich zumeist in der epigonalen Bewahrung seines klassischen Erbes verbarrikadiert hat, wirft dieses letzte, unvollendete und posthum erschienene Schlüsselwerk des am meisten antihegelianischen unter den italienischen Philosophen der Gegenwart ein anderes Licht auf den Stand der deutschen Philosophie, die den gegensätzlichen Weg einer ›Urbanisierung‹ im weitesten Sinn eingeschlagen hat.
La dinámica de la palabra.
La traducción continua como principio de la tradición cristiana
Desde sus orígenes, el cristianismo se perfila como una religión de la palabra y la traducibilidad: no por simple accidente histórico, sino de resultas de su autocomprensión teológica. En este volumen se propone una relectura de la evolución del cristianismo a partir del kerigma entendido como signatura instituyente, o sea, como expresión originaria de una experiencia grávida de sentido compartida en el seno de una comunidad de interpretación.
El Nuevo Testamento y el lenguaje dogmático-conciliar se comprenden así como traducciones extensivas de esta signatura: en ellos lomismo ha sido dicho una y otra vez de manera distinta, llegando a seren ello más y más sí mismo. Desde esta perspectiva se abren horizontes inéditos para la relación entre tradiciones canónicas y extracanónicas, así como para la clásica discusión sobre la helenización del cristianismo. Custodiar la fuerza de la palabra no significa fosilizar el pasado, sino participar en un acontecimiento continuo de aprendizaje y actualización de aquella experiencia originaria tan significativa.
La tarea de la teología consiste entonces en explorar las implicaciones de ese casi del mismo modo que estructura todo proceso de traducción: exige un incesante ir y venir entre el original y sus versiones, movimiento este en el que la tradición aparece como un proceso vivo, capaz de generar formas siempre nuevas de inteligibilidad del Evangelio en el presente. El autor esboza así un paradigma hermenéutico alternativo para comprender el desarrollo teológico del cristianismo, mostrando que la fuerza generativa de la tradición católica no se agota en lo ya acontecido.
«Tradición, Escritura y magisterio se configuran como un campo de resonancia dinámico. Entrar en él significa participar en un diálogo que ni empieza con nosotros ni prescinde de nosotros ni concluye con nosotros»
(del prólogo del autor a la edición en lengua española).
Colección: Presencia Teológica – 330
Formato: 14,3 x 21,3
ISBN: 978-84-293-3323-7
Depósito legal: BI-727-2026
Gianluca De Candia, nacido en 1983 en Molfetta (Italia), obtuvo el doctorado en Teología Fundamental en Roma y la habilitación para la docencia universitaria en Cuestiones Filosóficas de la Teología en Münster (Alemania). Es profesor ordinario de Filosofía y Diálogo con la Cultura Contemporánea en la Escuela Superior de Teología Católica de Colonia (KHKT por su sigla en alemán). Considerado una de las voces más autorizadas del dialogo entre filosofía y teología en el ámbito ítalo-alemán, ha publicado obras en ambas lenguas. Entre sus trabajos más recientes figuran, en alemán, Der Sprung in den Glauben. Von der existenziellen Relevanz des Christentums (2023); y en italiano, Il forse bifronte. L'emergenza della libertà nel pensiero di Dio (2021). Cultiva un especial interés por cuestiones hermenéuticas, así como por el problema de Dios y su entrelazamiento con la lógica modal (lo posible, lo real, lo necesario... y lo supranecesario).
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